Plastische Chirurgie

Die Plastische Chirurgie besteht in Deutschland aus vier Säulen:

  1. Rekonstruktive (wiederherstellende) Chirurgie
  2. Handchirurgie
  3. Ästhetische Chirurgie
  4. Verbrennungschirurgie

Die Rekonstruktive Chirurgie und die Handchirurgie sind neben der Ästhetischen Chirurgie und der Verbrennungschirurgie zentrale Säulen des großen Gebietes der Plastischen Chirurgie. Im Rahmen seiner Facharztausbildung wird der angehende Plastische Chirurg in den vier Teilgebieten umfassend ausgebildet.

Die Klinik für Plastische- und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie im St.-Josefs-Hospital in Hagen, unter der Leitung von Herrn Dr. med. Ingo Kuhfuß, ist mit 25 Betten eine der größten Abteilungen dieser medizinischen Spezialität im Versorgungsplan der Krankenhäuser des Landes Nordrhein-Westfalen. Eingebettet in ein Krankenhaus der Maximalversorgung decken wir das gesamte Spektrum der Plastischen Chirurgie, abgesehen von der Behandlung Schwerstbrandverletzter, ab.
Im handchirurgischen Bereich besteht eine Zulassung der Berufsgenossenschaften zur Behandlung aller Arbeitsunfälle (SAV Hand).

Rekonstruktive Chirurgie

Die Rekonstruktive Chirurgie befasst sich mit angeborenen Fehlbildungen, Unfallfolgen und krankheitsbedingten Veränderungen der Körperoberfläche. Unsere Schwerpunkte bilden die Korrektur von Fehlentwicklungen der weiblichen Brust, einschließlich des Brustwiederaufbaus nach Brustkrebs, die Straffungsoperationen nach starker Gewichtsreduktion sowie Fehlbildungen der Nase und der Ohrmuscheln. Außerdem behandeln wir Defektbildungen bei Druckgeschwüren, Defektwunden, Gewebeverluste durch Unfälle oder Tumoroperationen. Hierzu werden neueste mikrochirurgische Operationsverfahren eingesetzt. Gut- und bösartige Hautveränderungen werden histologisch gesichert und mit minimaler Narbenbildung beseitigt.
Als Folge von Unfällen, aber auch von Tumoroperationen oder anderen Erkrankungen, können Weichgewebedefekte entstehen. Hierbei können unterschiedliche Gewebetypen wie Haut, Fettgewebe, Muskeln oder Knochen fehlen. Es ist eine der fundamentalen Arbeitsgebiete der Plastischen Chirurgie, diese Gewebedefekte mittels Gewebetransplantationen wiederherzustellen. Neben den funktionellen Ausfällen ist es ein hohes Ziel der Plastischen Chirurgie, eine ästhetische Wiederherstellung der Körperform zu erreichen. Uns stehen unterschiedliche Techniken der Gewebeauffüllung, von der einfachen Hauttransplantation bis zur Transplantation von komplexen Gewebeanteilen unter zu Hilfenahme mikrochirurgischer Techniken, zur Verfügung. In Abhängigkeit vom Befund kann auch eine Volumenauffüllung mittels Fremdmaterialien (z.B. Silikonimplantate) notwendig sein.
Leider kann nicht bei jedem Patienten das technisch Mögliche realisiert werden. Es ist uns ein besonderes Anliegen, realistische Operationen ohne erhöhtes Risiko für unsere Patienten durchzuführen. Im individuellen Gespräch und nach eingehender präoperativer Untersuchung erstellen wir für jeden Patienten einen eigenen Rekonstruktionsplan.

Einer unserer Leitsätze stammt von Gaspar Tagliacozzi (1554-1599). Er war einer der ersten Plastischen Chirurgen und schrieb 1597 in seinem Werk „CIRURGIA CURTORUM“:

„Wir stellen wieder her und vervollständigen Teile des Körpers, die uns von Natur gegeben, jedoch vom Schicksal zerstört wurden.
Wir tun dies nicht so sehr zur Befriedigung unseres Auges, als zur psychischen Wiederherstellung der Betroffenen.“.

Handchirurgie
In der Handchirurgie geht es um die fachgerechte Versorgung akuter Verletzungen einschließlich der Replantation abgetrennter Körperteile und die Behandlung von Unfallspätfolgen. Zum Behandlungsspektrum gehören auch die spezielle Krankengymnastik und die Ergotherapie. Der Fachbereich der Handchirurgie umfasst die Therapie von angeborenen Fehlbildungen der Hand, die Behandlung von Nerveneinengungen an Armen, Händen und Füßen, Gelenk- und Sehnenoperationen bei Rheuma oder Arthrose der Hände und die Behandlung der Dupuytren’schen Kontraktur.

Die Hand – Sinnesorgan und multifunktionales Körperteil
Die Hand stellt flächenmäßig zwar nur einen relativ kleinen Teil unseres Körpers dar, sie birgt jedoch eine Vielzahl hoch entwickelter Funktionen, die dem Menschen unvergleichliche handwerkliche, gestalterische, künstlerische und emotionale Möglichkeiten „an die Hand“ geben. Nicht umsonst gilt die Hand als eines der Sinnesorgane, mit dem man seine Umwelt „begreift“. Diese Funktionalität wird durch ein hervorragendes Zusammenspiel der anatomischen Strukturen wie Knochen und Gelenke, Muskeln und Sehnen, Nerven und Blutgefäße unterstützt. Diese Zusammensetzung macht die Hand zu einem äußerst komplizierten Organ, das aber auch stark exponiert und besonders verletzlich ist.
Die Handchirurgie als Spezialfach
Das Vorhandensein so vieler unterschiedlicher, aber für die Gebrauchsfähigkeit der Hand gleichwertiger anatomischer Strukturen, setzt für eine erfolgreiche Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen umfangreiche Kenntnisse des Arztes voraus.
Er muss in der Lage sein, Veränderungen des Knochens, der kleinen Muskeln, der Sehnen, Nerven und Gefäße durch eine entsprechend breit gefächerte Ausbildung gleichermaßen gut behandeln zu können. In der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Handchirurgie aus der Allgemeinchirurgie, Plastischen Chirurgie und Orthopädie heraus durch Subspezialisierung zu einem Spezialfach, welches mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Zusammenhang mit den genannten chirurgischen Gebieten betrieben wird. Wichtig für die Handchirurgie ist ein gewebeschonendes Vorgehen, eine so genannte „atraumatische Operationstechnik“. Dieser Gesichtspunkt spielt wegen der dicht zusammenliegenden Feinstrukturen, wie Sehnen, Nerven und Blutgefäße, eine wesentlich stärkere Rolle als im Bereich anderer Körperregionen. Der Einsatz mikrochirurgischer Techniken ermöglicht die Rekonstruktion von feinsten Nerven und Gefäßen, die Replantation abgetrennter Finger sowie den Fingerersatz durch Zehentransfer.
Das Aufgabengebiet der Handchirurgie erstreckt sich im Weichteilbereich auf den gesamten Arm, da hier die Muskeln und Sehnen, Nerven und Blutgefäße verlaufen, welche zur Hand führen. Auch angeborene Fehlbildungen, wie z.B. die Syndaktylie, sind ein handchirurgischer Schwerpunkt.

Zusatzbezeichnung Handchirurgie
Lange Zeit war die Bezeichnung „Handchirurg“ nicht geschützt. Erst mit der ärztlichen Weiterbildungsordnung von 1993 wurde die Zusatzbezeichnung „Handchirurgie“ als geschützter Begriff eingeführt. Die Bezeichnung kann von Orthopäden, Chirurgen und Plastischen Chirurgen erworben werden. Jeder Auszubildende muss eine dreijährige Weiterbildung absolvieren und einen sehr umfangreichen Operationskatalog vorweisen. Nach einer bestandenen Prüfung vor der Ärztekammer kann die Zusatzbezeichnung „Handchirurgie“ geführt werden.

Behandlungsschwerpunkte – Handchirurgie –
Das gesamte Spektrum der Handchirurgie wird abgedeckt, einschließlich der operativen Versorgung aller Handverletzungen sowie Hand- und Fingeramputationen mit Replantation.